Blattspaltereien

Sie hatte ihn seit ungefähr zehn Minuten beobachtet. Erst langsam schleichend, dann erregt betrachtend, wieder unschlüssig stapfend, bewegte er sich durch den steinern eingefassten Blumengarten. Hierhin, dorthin schauend, sog seine Aufmerksamkeit sich schließlich an einem kleinen Gänseblümchen fest, welches er lauernd umrundete, mehrmals fast niedertrat, schließlich mit seinem rauen Hosensaum die zarten Blättchen striff, dann plötzlich erschrocken nach unten blickend innehielt.

So steht er jetzt, zur Ruhe gekommen, kontempliert hinter dunklen Augen über das Blümchen geneigt. Langsam streckt er die Hand aus, berührt mit den Fingerspitzen hauchfein die filigranen Außenränder der Blättchen, zuckt sichtlich zusammen, als er über eine eingerissene Stelle fährt, fällt aus seiner gebückten Haltung vollends auf die Knie, als sie gefährlich zu wippen anfängt. Seine erdbedeckte Hose scheint er nicht zu bemerken. Was ein Glück, dachte die Dame auf der Parkbank.

(Dann riss er die Zarte aus dem Boden und verschwand.)

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Autor: J.H.Z.

Beobachtung: Eine Schreibübung zum Thema „Eine Welle der innerer Erregung“

 


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