Wanderlust

Sie taumeln durch die Gassen,
betrunken von dem Gefühl von Freiheit.
Sie folgen ihrem eigenen Rhythmus,
der so viel schneller und eigenwilliger ist als der der Anderen.
Ihre Beine bewegen sich wie von selbst,
ihr Soundtrack dröhnt in ihren Köpfen,
alles durchdringend, ohrenbetäubend.
Sie tanzen nicht nach der Nase anderer, sondern
nur nach ihrer eigenen Musik.
Kein Gipfel ist ihnen zu hoch,
der steilste Bergpass bezwingbar,
kein Fluss ist ihnen zu breit,
die schmalste Brücke passierbar.
Ihre einzige Begrenzung sind die Sterne am Himmel,
welche in der Schwärze verheißungsvoll leuchten
neben den Reklameschildern und Spritpreistafeln am Straßenrand.
Sie sind gefangen in ihrer Suche nach Werten und Sinn.
Aber auch sie versuchen Augenblicke zu konservieren,
verblassende Polaroids für Momente voller Selbstzweifel und Desillusion,
in denen die Platte hängengeblieben ist.
Die Daheimgebliebenen hören nichts.
Die Daheimgebliebenen erhalten eine Postkarte.
Währenddessen sind sie unterwegs.
Währenddessen sitzen wir ebenso daheim.
Wir sitzen am Fenster und sehen die Sterne leuchten
– sie sind zum Greifen nah.
Die Musikfetzen, die durch die Scheibe dringen
– der Auftakt für unseren Beat.
Auch wir haben andere Bausteine, wir sind wie sie magnetisch,
das Unbekannte zieht uns an.
Noch sitzen wir hier, unsere Köpfe in der Mittagssonne voller Bilder.
Sobald sich der Himmel über den Dächern unserer Stadt rot färbt,
brechen wir auf.
Das stetige Zusteuern auf den Horizont ist unsere Definition von Glück.
Doch was werden wir tun,
wenn sich unser Beat bis in die Unendlichkeit steigert,
wenn der Weg kein Ende nimmt,
wenn unsere Rastlosigkeit uns immer weiter vorantreibt,
bis wir schließlich so weit entfernt sind,
dass wir uns in dieser Grenzenlosigkeit nirgends wiederfinden?
Wir kommen an keine Klippe,
wir erreichen nicht den Grund des Ozeans.
Was passiert mit uns,
wenn wir niemals ankommen?
Was ist, wenn wir uns verlieren?
Es ist so einfach, einen Schritt zu weit zu gehen
auf jenem Grat, auf dem wir im Begriff sind zu wandern.

autorenfoto laura unterm text rund
Autor: Laura Geray

Beobachtung: Impressionen eines Spaziergangs in einer Sommernacht


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s