Titelbild kreisförmiges Ungleichgewicht

„Kreisförmiges Ungleichgewicht: Versuch eines Leitfadens

Nun der Gedanke klingt einleuchtend: Befreiung von der Systematik, damit von der Zeit, von gewissermaßen antizipiertem Leben, das, festgelegt im lernen, uns ab und an sogar bewusst zu sein scheint. Ein Leben aus dem existenzialistischen Bedürfnis heraus.
Zweitens: Gedanken sind Systematik, festgelegter Ablauf. Bewusste Gedanken sind starrer Ablauf und zwangsläufig Wiederholung.
Drittens: Systematik mit selbiger widerlegen.

Viertens: Sein System widerlegt sich damit selbst im Ur-Sinne. Ihr solltet mir besser nicht zu genau zuhören, ihr könntet beginnen zu verstehen und damit Dienst an der Systematik tun. Aber hütet euch wegzuhören, sonst versteht ihr nie und euch erschüttert ein hartnäckiges Begreifen-wollen. Ich erkenne eine Systematik, die ich abschaffen möchte. Ich möchte vielmehr ein Gegenbeispiel sein als umgekehrt. Also zitiert mich nicht, es wäre meine größte Misshandlung. Seid zart mit euch, seid feinfühlig gleichgültig.
Fünftens: Wenn ihr Verstanden habt, so lest ihr bereits nicht mehr und sollte dem tatsächlich so sein, dann braucht ihr nur von vorne zu beginnen.“

Mit 27 blicke ich zurück und sehe nur eine Kurve, vielleicht auch eine Wand, das kommt auf den Standpunkt an. „Kreisförmiges Ungleichgewicht: Versuch eines Leitfadens“. Diesen folgenschweren Versuch, fand ich eines abends in meiner Wohnung. Im Vorzimmer meiner Küche, in dem ich oft studiere und jeden Tag von Vollendung träume und sie bei heller Sonne, viel Wein und größter Ermüdung zu sehen ahne. Vielmehr erleuchtet mir die sich durch die Fensterscheiben brechende Sonne ein eckenloses, finsteres Loch in meinem Zimmerboden. Vor allem aber macht mir das Licht der Sonne meine dunkle und tiefe Abneigung gegen jede Bildlichkeit klar. Eine Vorstellung wie die eines Loches wälzte sich oft in meinem Kopf und wird das wohl auch weiterhin tun. Eben in diesem Zimmer, in dem mir stets das Bein einzuschlafen droht, sah ich an besonders hellen Tagen auch das Loch weniger dunkel. Die Aussicht war stets enttäuschend. Aus dem runden Nichts war etwas hervorgegangen, war ein Abbild hervorgetreten und beanspruchte den Raum, verdeckte massig die Öffnung. Das Nichts hatte sich selbst verleugnet. An solchen Tagen bin ich sehr gewissenhaft darum bemüht, vergangene Menschenleben, Menschen-Ideen, Menschen-Konstrukte durch meine ausgezehrte Iris zu schleusen, ohne mich dabei der unmenschlichen Anstrengung konsequenten Denkens auszusetzen. An zahlreichen Folgetagen solcher Tage lockt wieder das Nichts. An manchen Folgetagen solcher Tage lese ich den Leitfaden wieder und wieder. An einem Folgetag schreibe ich einen Text, male ich ein monumentales Porträt mit nichts das als Motiv taugt. Es hält nie still. Und so halte ich es. Mit 27 glaube ich: Bewegung ist eine Frage des Standpunktes.

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Autor: J.H.Z.

Beobachtung: Ein Bild von einem Kreis, der für mich die Grenzen des Denkens metaphorisiert


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