missverstandnis

Der Schlagring drapierte, war Schmuck. Und er schwang den seltsamen Klunker so gleichgültig durch die Luft, als die Worte kullerten, dass man irgendwie vermutete, er sorgte sich nicht mehr um Alltagskram und wüsste immer, wovon er sprach. Zwischen dem einen oder anderen Satz, dem ein oder anderen trüben Blick, luden seine Augen nämlich in eine Tiefe ein, deren Anziehungskraft jeder auf den Leim ging. Man stelle es sich wie eine Attraktion vor, die im Vorbeigehen bemerkt wird und ausnahmslos jeden stehen bleiben lässt. So war er – unersättlich sog er die Aufmerksamkeit aller auf. Seine herablassende und gestelzte Art rechtfertigte sich außerdem dadurch, dass er einfach wusste, wie man auf Stelzen lief. Es gab auch niemanden, der sie zum Wackeln bringen oder sie gar umstürzen konnte – er war ein unangefochtener Künstler.

Doch seine Kunst war Produkt einer Angst; er war Gefangener einer Höhenangst: der Boden war ihm zu niedrig und kaum einer groß genug, ihm die Hand zu reichen, um ihm nach unten zu helfen. Ständig das spreißelnde Holz im Handfleisch und nie unten magerte er schließlich ab. und hing wie gekreuzigt an seinen Stelzen – da staunten die Leute darüber, wie es aussah, als das Elend die Haut streng um seine Rippen wand und hielten dies für große Kunst. Als der Tod sich über ihn legte, waren alle Münder offen – die einen erstaunt vor Kunst, der andere erstarrt aus Angst.

autorenbild-unterm-text-hakim

Autor: Dein Lieblingsnachbar

Beobachtung: Ein Stelzenläufer


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