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Heute Morgen wurde ich erschüttert. Ich, der ich mich immer als Humanist, Tierfreund und Philanthroph zu sehen glaubte, musste beim Aufschlagen einer philosophischen Lektüre feststellen, dass eine Fliege wohl ihr Leben zwischen den bedruckten Seiten ausgehaucht hatte. Eine Unbedachtheit ihrerseits, sich zwischen den Seiten zweifelnder Literatur aufzuhalten. Sie hätte damit rechnen können. Sie wurde buchstäblich erdrückt. Selbstverständlich, dachte ich mir, war es nicht das Wissen selbst, das sie ihre Freiheit kostete, als vielmehr eine Version, ein Träger des Wissens: Tintenbesprenkeltes Holz.
Nun, ich wischte sie beiseite, bemerkte jedoch zu meinem großen Ärgernis, dass ein Fleck zurückgeblieben war. Angewidert und erschreckt ging ich in die Buchhandlung. Wer könnte denn so etwas noch genussvoll lesen? Ja, wer hätte gedacht, dass eine Fliege ein Buch aufwiegt?

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Autor: J.H.Z.

Beobachtung: Eine Stubenfliege in Kants „Kritik der reinen Vernunft“


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